
Aktiv durchs Leben gehen – und die Lust auf Gesundheit wecken
Turnierdirektor der EURO 2024, Fußballprofi, Familienvater – und Gesundheitsunternehmer: Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm gibt in seinem aktuellen Buch wertvolle Tipps für einen aktiven Lebensstil. In der für mich spricht er über gesundes Essen, seinen Alltag nach der Profikarriere und wie man in Sachen Gesundheit immer am Ball bleiben kann.
Herr Lahm, was bedeutet Gesundheit für Sie persönlich?
Philipp Lahm: Gesund zu sein und mich wohlzufühlen, das bedeutet mir mehr als jeder Pokal oder Titel im Sport. Ich habe mich – auch zu meiner aktiven Zeit als Profifußballer – schon immer eigenständig darum gekümmert, dass es mir gut geht.
Warum liegt Ihnen das Thema „Gesundheit“ am Herzen?
Gesundheit ist eines der Topthemen unserer Zeit. Spätestens mit der Coronapandemie ist klar geworden, wie wichtig ein guter Gesundheitszustand ist, wie sehr wir uns glücklich schätzen können, wenn wir körperlich, mental und emotional fit sind. Ich möchte mit meinem Buch alle ermutigen, die eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, denn Gesundheit ist unser wichtigstes Kapital. Zugleich will ich den Menschen meine Lebensfreude vermitteln, die mich jeden Tag antreibt, mit der ich Weltmeister geworden bin und mit der ich mich heute um Familie und Beruf kümmere.

Alle Welt spricht von Prävention. Wie wichtig ist Vorsorge?
Ich weiß, dass Vorsorge wenig verlockend und immer ein bisschen anstrengend klingt. Dass man dazu neigt, erst aktiv zu werden, wenn etwas nicht funktioniert. Da braucht es dringend ein Umdenken. Ich möchte einfach die Lust auf mehr Gesundheit wecken, gar nicht so sehr, weil das die Risiken zu erkranken minimiert. Sondern ganz einfach, weil man viel mehr Spaß am Leben hat, viel mehr erlebt, besser schläft und ausgeglichener ist, wenn es einem gut geht.
Früher Fußball-Champion, heute Familienvater und Unternehmer. Wie sieht Ihr Alltag aus?
Ob Sie es glauben oder nicht: Ich führe ein Leben wie die meisten der 83 Millionen Bundesbürger auch. Ich gehe einer ganz normalen Arbeit nach, muss mich um Bürokram und Termine kümmern, bereite den Kindern das Frühstück zu, helfe bei den Mathe-Aufgaben, erledige die Familieneinkäufe oder koche. Mein Alltag stellt mir, wie uns allen, große und kleine Aufgaben, die ich möglichst gut erledigen will. Und dafür ist eine gute Gesundheit der beste Grundpfeiler.
Sie waren schon immer ein Teamplayer. Macht Sport in Gemeinschaft mehr Spaß?
Auf jeden Fall. Beim Sport geht es nicht nur um Selbstoptimierung, auch die soziale Komponente ist wichtig. Sport fördert die Gemeinschaft, den Zusammenhalt, die Toleranz, den Respekt und das Verständnis füreinander.

Ihr Buch heißt: „Gesund kann jede*r!“. Aber sicher sollte nicht jeder beim Work-out gleich Vollgas geben …
Darum geht es auch gar nicht. Natürlich kann jeder Sport treiben – im Rahmen seiner Möglichkeiten. Wenn man sich aufgrund von Einschränkungen unsicher fühlt, sollte man auf jeden Fall vorher mit seinem Arzt sprechen.
Die Botschaften für ein gesünderes Leben klingen oft zu einfach: nicht rauchen, nicht trinken, sich ausgewogen ernähren, sich genug bewegen. Doch wie besiegt man den inneren Schweinehund?
Das Schlüsselwort heißt: Motivation. Wie man Menschen mitnimmt, sie begeistert, auf sie eingeht – das habe ich als Mannschaftskapitän gelernt, aber auch als Familienvater und Unternehmer. Und ich lerne es heute noch jeden Tag. Natürlich möchte ich niemanden dazu drängen, Dinge zu tun, die er nicht mag. Ich möchte zu mehr Lebensfreude inspirieren, Ziele positiv formulieren. Wenn man bestimmte gesundheitsschädliche Gewohnheiten ablegen will, wie das Rauchen, darf man nicht immer nur sagen, wie schlecht das für die Lunge oder das Herz ist, sondern kann stattdessen sagen: „Freu dich drauf, wenn du endlich wieder richtig Luft bekommst und eine tolle Wanderung machen kannst, ohne gleich aus der Puste zu kommen.“
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
10 Weltmeister-Tipps für ein gesundes Leben
1. Bewusster atmen
Gönnen Sie sich eine Atempause. Mitzählen hilft dabei: Einatmen und im Kopf bis vier zählen, selbiges beim Ausatmen. Die Einheit zehnmal wiederholen.
2. Die innere Mitte finden
Schon zehn Minuten Meditation pro Tag sorgen für mehr Gelassenheit. Spezielle Apps und Videos können beim Einstieg helfen.
3. Wasser trinken
Experten empfehlen mindestens zwei Liter pro Tag. Der gesunde Nebeneffekt: Ausreichend Wasser trinken erhöht die Konzentration und beugt Müdigkeit vor.
4. Mehr bewegen
Treppe statt Aufzug, Fahrrad statt Auto. Es gibt viele Möglichkeiten, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen.
5. Nüsse statt Süßkram
Reduzieren Sie den Verzehr von Lebensmitteln, die mit Industriezucker angereichert sind. Zucker lässt Ihren Insulinspiegel Achterbahn fahren, das macht müde und matt. Ist der Insulinspiegel in Balance, lässt es sich länger konzentriert arbeiten. Brauchen Sie Nervennahrung, so greifen Sie zu Nüssen. Sie versorgen den Körper mit ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen und Vitaminen. Die ideale „Kern-Energie“ für Ihren Körper!

6. Ernährung richtig timen
Salat am Abend raubt Ihnen den Schlaf. Verzichten Sie daher zu später Stunde auf Rohkost und Gerichte, die Ihnen schwer im Magen liegen. So gönnen Sie Ihrer Verdauung einen pünktlichen Feierabend. Das fördert einen ruhigeren und damit gesünderen Schlaf.
7. Sport als fester Termin
Firmenmeetings sind wichtig, Work-outs aber auch! Planen Sie daher feste Termine für Ihre Sporteinheiten im Kalender ein. Schon kleine, aber regelmäßige Bewegungseinheiten fördern das Wohlbefinden.
8. Tagebuch führen
Gedanken und Ziele zu notieren muss gar nicht kompliziert sein – Stichpunkte reichen völlig aus. Damit schaffen Sie Platz im Kopf und nutzen die Zeit während des Schreibens schon dazu, einen neuen Blick auf einige Dinge zu werfen. Schreiben Sie auch jeden Tag ein bis drei Dinge auf, über die Sie sich gefreut haben oder die Ihnen positive Energie gegeben haben. Das verbessert – wissenschaftlich belegt – Ihre Stimmung und Ihr Wohlbefinden. In Ihrem Tagebuch können Sie später Ihren eigenen Weg nachvollziehen und schnell erkennen, was Ihnen wirklich guttut.
9. Telefonieren Sie mobil
Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Soll heißen: Während des Gesprächs nicht sitzen bleiben, sondern aufstehen und ein paar Schritte gehen. Übrigens: Am Morgen sollte der digitale Begleiter nicht das Erste sein, was Sie in die Hand nehmen. Und abends auch nicht das Letzte.
10. Ziele setzen
Ziele nicht zu hoch stecken und sich selbst belohnen – wer sich realistische Tagesziele setzt, kann zufriedener auf das Erreichte zurückblicken. Das kann ein Telefonat sein, das Sie schon lange vor sich herschieben, oder auch der Wohnungsputz. Fangen Sie klein an, denn schon kleine Handlungen erzeugen das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit. Erreichte Ziele motivieren ungemein. Und sicher trauen Sie sich dann bald an größere Baustellen.