Februar 2026

„Ich musste lernen, mich selbst wieder wertzuschätzen“

„Ich musste lernen, mich selbst wieder wertzuschätzen“

Es hat sich langsam aufgebaut. Anfangs dachte ich, das gehört eben dazu, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Doch die Kommentare wurden zunehmend verletzend: „Du bist fett geworden“, „Früher warst du besser“, „Jetzt siehst du aus wie jede andere“. Es ging nicht mehr um Fitness oder Motivation, sondern um Demütigung. Das war für mich der Moment, in dem ich wusste: Das ist Hass.

Ehrlich gesagt: Es war schwer. Ich zog mich zurück, schämte mich, war verunsichert. Erst mit psychologischer Hilfe und Unterstützung meiner Familie fand ich langsam den Weg zurück zu mir selbst. Ich lernte, mich nicht mehr über mein Äußeres zu definieren. Ich habe mich entschlossen, offen über alles zu sprechen – um anderen Mut zu machen.

Ganz wichtig: Redet darüber! Mit Freunden, der Familie oder einer professionellen Beratungsstelle. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe zu holen. Organisationen wie HateAid oder Nummer gegen Kummer bieten kostenlose Beratung und auch juristische Hilfe an. Wenn Drohungen oder Beleidigungen strafrechtlich relevant sind, sollte man Beweise sichern und zur Polizei gehen. Viele wissen nicht, dass bei Cybermobbing Anzeige erstattet werden kann – und oft auch sollte.

Ja. Erstens: Sich selbst Grenzen setzen, zum Beispiel Kommentare bewusst nicht lesen oder Zeit offline verbringen. Zweitens: Sich daran erinnern, dass Hass oft mehr über den Absender sagt als über einen selbst. Drittens: Blockieren, melden, löschen. Niemand muss sich das antun.

Was mir persönlich hilft: Sport, Eisbaden zur Meditation, Therapie, mit Menschen reden, die mich lieben, wie ich bin. Und: Ich versuche, mir selbst mit derselben Freundlichkeit zu begegnen, die ich anderen schenke.

Sophia Thiel (30) ist Influencerin, Buchautorin und Body-Positivity-Botschafterin. Ihre Karriere begann nach einer persönlichen Transformation: Vom übergewichtigen Teenager entwickelte sie sich zur Fitness-Ikone. 2019 zog sie sich überraschend aus der Öffentlichkeit zurück – wegen psychischer Erschöpfung, Essstörungen und dem Druck, ständig „perfekt“ sein zu müssen. Während ihrer Auszeit nahm sie zu – und wurde zur Zielscheibe von Bodyshaming und Cybermobbing. 2021 kehrte sie zurück und spricht seitdem offen über mentale Gesundheit, den Umgang mit Hass im Netz und Selbstakzeptanz.

Zuhören, ohne zu bewerten. Ernst nehmen, auch wenn es „nur online“ passiert. Hilfe anbieten: Gespräche, Begleitung zur Beratung oder Anzeige. Und ganz wichtig: Nicht drängen, sondern da sein. Manchmal braucht es Zeit, bis sich jemand öffnet.

Du bist genug. Dein Wert hängt nicht von deinem Körper, deinem Gewicht oder der Meinung anderer ab. Lass dir von niemandem einreden, du seist weniger wert. Hol dir Hilfe, wenn du leidest – du musst das nicht alleine schaffen. Und erinnere dich: Du bist nicht allein.

Ich danke Ihnen. Wenn ich mit meiner Geschichte anderen Mut machen kann, hat sich alles gelohnt.

Gewinnspiel: Versuchen Sie Ihr Glück!

Wir verlosen fünf Exemplare des Buchs „Come back stronger – Meine lange Suche nach mir selbst“ von Sophia Thiel, gesponsert vom ZS Verlag.

Gewinnspielbedingungen: Veranstalter des Gewinnspiels ist die IKK Südwest, Europaallee 3 – 4, 66113 Saarbrücken. Ausgeschlossen sind Personen unter 18 Jahren sowie Mitarbeiter der IKK Südwest. Die Gewinner werden unmittelbar im Anschluss an die Auslosung schriftlich benachrichtigt. Der Gewinn wird ohne Entstehung von Kosten postalisch zugesandt. Der Rechtsweg sowie eine Auszahlung der Preise sind ausgeschlossen.