Februar 2026

„Mit Ungerechtigkeiten komme ich nicht klar“

Collien Monica Fernandes zeigt sich – wie hier in der ZDF-Doku „Familien allein zu Haus 2 – Was bleibt?“ – von ihrer nachdenklichen Seite

„Mit Ungerechtigkeiten komme ich nicht klar“

Was mich in meiner Arbeit, auch an den Dokumentationen, antreibt, ist ein gewisser Gerechtigkeitssinn. Oder anders gesagt: Ich komme mit Ungerechtigkeiten nicht klar. Jede dritte Frau in Deutschland hat Erfahrungen mit einer Fehlgeburt. Doch trotz der physischen und psychischen Strapazen, die eine stille Geburt mit sich bringt, mussten die betroffenen Frauen vor der Gesetzesänderung bis zum sechsten Monat am Folgetag wieder zur Arbeit erscheinen. Als sei nichts gewesen. Eine zutiefst unmenschliche Situation.

Die ursprüngliche Forderung war deutlich umfangreicher. Dennoch denke ich, dass wir eine gute Einigung erzielen konnten. Die zwei Wochen gelten nur für die Frühphase. Ab der 17. Schwangerschaftswoche gibt es sechs Wochen Mutterschutz, ab der 20. Woche acht Wochen. Ich freue mich sehr, dass die Kampagne so erfolgreich war und die Gesetzesänderung nun endlich in Kraft ist.

Weil es so viele betrifft – und das schreckliche Leid, das dahintersteht, dennoch kaum geteilt wird. Statistisch gesehen erleiden jede Minute 44 Frauen eine Fehlgeburt, dennoch wird kaum darüber gesprochen. Erst durch die Kampagne wurde mir bewusst, wie verbreitet das Thema auch in meinem Umfeld ist und wie viele Frauen Ähnliches durchgemacht haben.

Nicht direkt. Erst durch die Kampagne wurde das Thema präsent, und ich habe erfahren, wie sehr Familien in meinem nahen Umfeld darunter gelitten haben.

Zusammen mit der IKK Südwest und vielen weiteren Unterstützern setzte sich Collien Monica Fernandes (l.) im Rahmen der Kampagne „Leere Wiege. Volle Arbeitskraft?“ für den gestaffelten Mutterschutz ein

Ich möchte hier auch die Partner und Partnerinnen ansprechen – der psychische Schmerz betrifft sie genauso, auch wenn der körperliche nur die Gebärenden trifft. Ich wünsche ihnen Kraft, diese schwere Zeit zu überstehen, und hoffe, dass wir mit der Gesetzesänderung dazu beitragen konnten, dass nach diesem schrecklichen Erlebnis Ruhe und Zeit zur Genesung einkehren.

Medien haben die Möglichkeit, den Fokus auf wichtige Themen zu richten. Ich freue mich über jeden Journalisten, der diese Chance nutzt.

Da hätte ich viele. Besonders beim Thema Gewalt gegen Frauen. In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal im Leben Opfer von physischer oder sexualisierter Gewalt. Die Zahlen steigen. Frauen haben derzeit nur drei Monate Zeit, diese Taten anzuzeigen – das halte ich für völlig unrealistisch. Bis man die Kraft findet, sich zu lösen, vergeht oft viel mehr Zeit. Diese Zeit sollte man den Frauen geben. Auch im Bereich digitaler Gewalt fehlt es an gesetzlichen Grundlagen, um sich effektiv zur Wehr zu setzen – ein Thema, das leider vor allem Frauen betrifft.

Ich wünsche mir, dass Kinder in einem sicheren und liebevollen Umfeld aufwachsen. Mir ist ein Satz hängen geblieben: „Je mehr Menschen eine Therapie machen, desto weniger Menschen müssen eine Therapie machen.“ Ein Schauspielkollege sagte das. Er ist in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen und hätte sich gewünscht, seine Eltern hätten eine Therapie gemacht – damit er selbst keine gebraucht hätte. Ähnlich schilderte es mir eine Freundin, deren Vater eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat. Sie muss bis heute viele ihrer Kindheitserfahrungen therapeutisch aufarbeiten.

Ich konzentriere mich inzwischen nur noch auf Projekte und Themen, die mein Herz berühren. Danach wähle ich aus. Wenn jemandem etwas auf der Seele brennt, eine Ungerechtigkeit widerfährt oder ein Missstand auffällt, gerne über Social Media oder mein Management an mich wenden. Ich möchte meine Reichweite sinnvoll nutzen.

Leider viel zu wenig. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Ich nehme mir Auszeiten, auch wenn das auf Social Media vielleicht nicht so wirkt. Aber wenn man auf die Daten schaut, sieht man, dass oft mehrere Tage zwischen meinen Posts liegen. In dieser Zeit bin ich offline, zu Hause bei meiner 13-jährigen Tochter – ohne Handy.

Ich bin eine Meisterin im Faulenzen (lacht). Im Ernst: Manchmal gibt es doch nichts Schöneres, als einfach nur dazuliegen. Dann schaue ich aus dem Fenster und lasse die Gedanken schweifen.

Ich mag den mallorquinischen Lifestyle. Die Menschen sind gelassener, höflicher, hilfsbereiter. In Berlin, vor allem im Straßenverkehr, herrscht oft eine gewisse Aggression – das mag ich nicht. Auf Mallorca ist der Umgang miteinander freundlicher.

In fast allen Gutenachtbüchern meiner Tochter bringt die Mutter die Kinder ins Bett, während der Vater von der Arbeit kommt. Die Rollenbilder sind sehr eindimensional: Mädchen sind schön, Jungs furchtlos. Mädchen haben lange Beine, Stupsnäschen, Kulleraugen. Jungen dürfen keine Schwäche zeigen. Kinder orientieren sich daran – und lernen, wie sie zu sein haben. Deshalb brauchen wir dringend mehr Rollenvielfalt im Kinderbuchregal. Das war die Idee hinter Lotti & Otto.

Ich freue mich sehr, dass ich nun regelmäßig bei extra 3 mitarbeiten darf und mich satirisch mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetze. Das kreative Brainstorming mit Christian Ehring und der Redaktion macht großen Spaß. Es ist schön, sich so vielseitig ausprobieren zu können.