
Digital gewinnt
Digitale Anwendungen wie die elektronische Patientenakte (ePA) und die IKK-Südwest-App sind smarte Helfer, wenn es um unsere Gesundheit geht. Und können im Einzelfall sogar Leben retten. für mich hat Experten und Versicherte zum Thema befragt.
Lena Dimde, Product Ownerin ePA bei der gematik:
Was genau sind Ihre Aufgaben bei der gematik?
Als Product Ownerin der ePA verantworte ich deren Weiterentwicklung nach innen und außen. Intern übersetzen wir mit Fachbereichen und Entwicklungsteams gesetzliche Anforderungen und Nutzerbedürfnisse in konkrete Produktfunktionen, priorisieren und koordinieren Zeitpläne. Nach außen arbeite ich mit Leistungserbringenden, Industrie und Politik und begleite die ePA kommunikativ für Öffentlichkeit und Medien.

Die ePA wurde ins Leben gerufen, um die medizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern. Wie gelingt ihr das?
Die ePA schafft echten Mehrwert, indem wichtige Gesundheitsdaten wie Befunde, Arztbriefe und die elektronische Medikationsliste (eML) digital verfügbar sind. Befugte Gesundheitsfachkräfte können so sektorenübergreifend auf wichtige medizinische Informationen zugreifen. So lassen sich etwa Wechselwirkungen erkennen und unnötige Doppeluntersuchungen vermeiden, wodurch die Patientensicherheit erhöht und die Qualität der Versorgung verbessert wird.
Was gilt es, als Nächstes in Angriff zu nehmen?
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet kontinuierlich voran, und die ePA ist ein zentrales Element. 2026 werden der elektronische Medikationsplan (eMP) sowie Push-Benachrichtigungen für Versicherte eingeführt. Zudem folgen die Volltextsuche und Datenausleitungen zu Forschungszwecken, was den Nutzen der ePA noch weiter steigern wird.
Karin Bickelmann, Leiterin der Abteilung Medienkompetenz der Landesmedienanstalt Saarland (LMS):

Digitale Tools wie die ePA sind sehr hilfreich, aber nicht immer selbsterklärend. Wer hilft mir bei Fragen zur Bedienung?
Im Rahmen unseres Medienkompetenzprojekts „Medien|66“ bieten wir Präsenzkurse an, die rund um die Themen E-Rezept, ePA und Gesundheits-Apps informieren. Nur wenn ausreichend deutlich wird, dass und wie diese digitalen Angebote leicht genutzt werden können, finden sie auch breite Anwendung.
Die LMS setzt sich gemeinsam mit dem Netzwerk Patientensicherheit für das Saarland für die „Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz“ ein. Was ist hierunter zu verstehen?
Die LMS möchte, dass die Digitalisierung allen Menschen im Saarland einen Mehrwert bringt, und das auch beim Thema Gesundheit. Digitale Anwendungen im Gesundheitswesen bieten große Chancen, wenn damit einhergehende Risiken vermieden werden. Nutzer sollten die Funktionsweisen kennen und wissen, worauf sie achten müssen, insbesondere im KI-Zeitalter. Ziel ist ein sicherer und souveräner Umgang mit den genannten Anwendungen.
Welche Maßnahmen sind geplant, um dieses Ziel zu erreichen?
Beide Partner entwickeln Angebote, die die Bevölkerung praxisnah informieren und stärken, zum Beispiel wie man vertrauenswürdige Informationen findet und woran man kommerzielle oder faktenferne Beiträge erkennt. Die Zusammenarbeit steht für eine gesundheitskompetente Gesellschaft im digitalen Zeitalter
Dr. med. Andreas Gather, Chefarzt der Klinik für Interdisziplinäre Rettungs- und Notfallmedizin an der BG Klinik Ludwigshafen:
Im medizinischen Notfall muss es schnell gehen. Können digitale Tools wie die ePA hier helfen?
Ja, richtig eingesetzt kann die ePA im Notfall einen echten Zeitgewinn bedeuten. Voraussetzung für schnelle und sichere Therapieentscheidungen ist allerdings, dass die für die Notfallversorgung relevanten Patienteninformationen strukturiert, aktuell und sofort zugänglich sind.

Welche Daten sind für Notärzte und Rettungsdienste dabei essenziell?
Für die außerklinische Notfallversorgung sind vor allem Notfalldaten wichtig: Allergien, relevante Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente, bekannte Risiken sowie Ansprechpartner oder Vorsorgedokumente. Diese Informationen können lebensrettend sein.
Genauso wie die ePA soll auch die Telemedizin immer weiter ausgebaut werden. Welche Rolle spielen telemedizinische Angebote im Bereich der Rettungs- und Notfallmedizin?
Telemedizin spielt bereits heute eine wachsende Rolle, etwa durch Telenotarztsysteme oder die digitale Voranmeldung von Patienten. Rheinland-Pfalz ist mittlerweile als erstes Bundesland flächendeckend an das Telenotarztsystem angeschlossen. Entscheidend ist die sinnvolle Integration in bestehende Rettungs- und Klinikstrukturen. Der Rettungsdienst bleibt dabei im Notfall unverzichtbar.
Tom Paetow, IKK-Südwest-Versicherter und Kapitän des Handball-Drittligisten HG Saarlouis:

Mit der IKK-Südwest-App können unsere Versicherten ihre Anliegen schnell und bequem online erledigen. Nutzen Sie die App auch schon?
Na klar. Letztes Jahr bin ich umgezogen. Die neue Adresse hatte ich in der App erfasst. Innerhalb kürzester Zeit wurde mir eine neue Versichertenkarte zugeschickt.
Haben Sie die App schon mal anderweitig genutzt?
Ja, Rechnungen zur Erstattung habe ich schon öfter über die App eingereicht, also abfotografiert und hochgeladen. Das hat immer problemlos geklappt.
Schon gewusst: Wenn Sie beim Arztbesuch Ihre Gesundheitskarte mal nicht dabeihaben sollten, dann steht Ihnen in unserer App jederzeit eine digitale Ersatzbescheinigung zur Verfügung.
Oh, nein, das wusste ich tatsächlich nicht. Ist aber gut zu wissen und erspart mir und der Arztpraxis unnötigen Mehraufwand.



