
Endlich frei – und erst mal krank!
Der erste Urlaubstag und die Nase tropft? Dieses Phänomen tritt gar nicht so selten auf. Wir erklären, was dahintersteckt und was helfen kann.
Leisure Sickness, auf Deutsch: Freizeitkrankheit. So lautet der wissenschaftliche Begriff für die Tendenz, ausgerechnet immer am Wochenende oder im Urlaub krank zu werden. Häufig äußert sich das in Erkältungen, Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit und Erschöpfung, Muskelschmerzen oder auch Magen-Darm-Beschwerden. Aber warum versagt das Immunsystem gerade dann, wenn die Erholung vom Alltagsstress zum Greifen nah ist?
Auffällig ist, dass Personen, die im Job besonders ehrgeizig sind, hohe Ansprüche an sich selbst stellen und im Berufsalltag nicht Nein sagen können, häufiger betroffen sind. Perfektionismus, ein hoher Leistungsdruck und die Unfähigkeit, in der Freizeit abzuschalten – all das sind Risikofaktoren für die Freizeitkrankheit.
Aber auch Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol können eine Rolle bei ihrer Entstehung spielen: In besonders stressigen Arbeitsphasen sind die Hormone in einer sehr hohen Konzentration im Körper vorhanden. Der Sympathikus, der Teil unseres vegetativen Nervensystems, der den Körper in eine erhöhte Leistungsbereitschaft versetzt, wird dadurch überaktiviert – und mögliche Krankheitssymptome unterdrückt.
Sinkt der Stresspegel von heute auf morgen, etwa am Wochenende oder zu Beginn des Urlaubs, nimmt die Konzentration der Stresshormone im Körper rapide ab. Die Folge: Der besagte Unterdrückungsmechanismus funktioniert nicht mehr. Experten sprechen hier von einem Rebound-Effekt des Parasympathikus, der als Gegenspieler des Sympathikus in Entspannungsphasen aktiv wird.
Tipps zur Prävention
Was aber kann ich selbst tun, um diesen speziellen Teufelskreis von Ursache und Wirkung zu durchbrechen? Hier einige Tipps, die helfen können:
- Stärken Sie Ihr Immunsystem. Durch ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und gezieltes Stressmanagement können Stresssituationen besser bewältigt und Krankheitserreger effektiver bekämpft werden.
- Lernen Sie, auch mal Nein zu sagen. Sie müssen sich im Job nicht für alles verantwortlich fühlen. Denn: Jede zusätzlich übernommene Aufgabe erhöht die Arbeitsbelastung und damit den Stress.
- Trennen Sie Beruf und Freizeit, wenn möglich, kategorisch. E-Mails vom Chef im Urlaub verhindern das Abschalten. Versuchen Sie, sich auch am Wochenende gedanklich von der Arbeit zu lösen. Zeit mit der Familie, mit Freunden oder mit Hobbys hilft, den Alltagsstress hinter sich zu lassen.
- Achten Sie bewusst auf Stress-Warnzeichen. Auch das Führen eines Stress-Tagebuchs kann sinnvoll sein, um die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen.
- Kleine Erholungspausen im Alltag sind wichtig. Ein Spaziergang in der Mittagspause, ein wohltuendes Schaumbad nach Feierabend oder das gemütliche Beisammensein mit Freunden am Abend – das alles hilft, runterzukommen und neue Energie zu tanken.
Erst wenn sich Anspannung und Entspannung im Alltag die Waage halten, bleibt auch unsere Gesundheit im Gleichgewicht. So lassen sich Wochenende und der wohlverdiente Urlaub noch besser genießen.



