September 2026

Gesundheit neu denken

Gesundheit neu denken

Ob Änderungen bei der Familienversicherung, Einschnitte bei Budgets, Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze oder die Ermöglichung von Teilkrankschreibungen – das neue GKV-BStabG berührt eine Vielzahl von Bereichen der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Und nimmt dabei alle Akteure in die Pflicht, seien es Versicherte, Ärzteschaft, Krankenhäuser oder Krankenkassen.

„Das neue Reformgesetz ist vor allem eines: ein Versuch, die akuten Finanzlücken zu schließen. Das mag kurzfristig Luft verschaffen und den Beitragssatz vorerst stabilisieren. Die dringend notwendigen Strukturreformen werden allerdings erneut vertagt“, kommentiert Ralf Reinstädtler, Vorsitzender des Verwaltungsrats der IKK Südwest auf Versichertenseite, das neue Gesetz. Sein Kollege Gerd Benzmüller, Vorsitzender des Verwaltungsrats auf Arbeitgeberseite, fügt hinzu: „Auch wenn das Gesetz ein wichtiger Schritt zur kurzfristigen Entlastung ist, müssen nun endlich Maßnahmen umgesetzt werden, die längerfristige Auswirkungen haben. Das fordert die IKK Südwest schon seit Jahren.“ 

Gerd Benzmüller 

Denn eine langfristige Entlastung von Versicherten und Arbeitgebern kann nur mit echten Reformen gewährleistet werden. Hier greift das GKV-BStabG zu kurz, erhöht es doch beispielsweise die Zuzahlungen bei Medikamenten – und damit die Kosten der Gesundheitsversorgung für gesetzlich Versicherte.

Gesundheitskompetenz und Prävention zentrale Lösungsansätze

Wie sich diese Entlastungen bewerkstelligen lassen, liegt für Reinstädtler und Benzmüller auf der Hand: Gesundheitskompetenz und Prävention müssen zentrale Ansatzpunkte des deutschen Gesundheitssystems werden – und vom Gesetzgeber auch als Priorität verankert werden. „Denn Krankheiten, die gar nicht erst entstehen, müssen auch nicht kostenintensiv und langwierig behandelt werden“, geben beide zu bedenken.

Dabei geht Prävention weit darüber hinaus, dass gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten Angebote in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung und Suchtprävention machen – was schon heute der Fall ist. Vielmehr muss Prävention deutlich breiter und umfassender gedacht werden, idealerweise im Rahmen einer deutschlandweiten und alle politischen Vorhaben einschließenden Präventionsstrategie.

Ralf Reinstädtler

Kitas, Schulen und Betriebe sind hierfür von besonderer Bedeutung. Lernen Kinder und Jugendliche von klein auf gesundheitsbewusstes Verhalten, wird es im Erwachsenenalter zu gelebter Normalität. Durch einen stärkeren Fokus auf Gesundheit, insbesondere in kleinen und mittelständischen Betrieben, unterstützen wir zudem nicht nur die Wirtschaft, sondern reduzieren auch Fehlzeiten und damit Kosten für die Sozialsysteme.

Eine als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstandene Prävention drückt sich aber ebenfalls in ihren Auswirkungen auf die Steuerpolitik aus. Darum fordert die IKK Südwest, dass bestehende Steuern auf gesundheitsschädliche Genussmittel wie Tabak und Alkohol im Rahmen zweckgebundener Sonderabgaben dem Gesundheitsfonds zugutekommen. Gleichzeitig setzen wir darauf, ein Zuckerzertifikatesystem zu etablieren, das die Hersteller von zuckerhaltigen Getränken und Lebensmitteln in die Verantwortung nimmt.

„Um die Finanzen des Gesundheitssystems in den Griff zu bekommen, ist es dringend notwendig, Gesundheit neu zu denken. Und Prävention endlich einen deutlich größeren Stellenwert beizumessen“, schließen Reinstädtler und Benzmüller.

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